Anwendung von Stammzellen aus Nabelschnurblut
Zellzahl und Zelldosis für Behandlungen
Wie schon unter den Nachteilen erläutert, ist die Menge an Stammzellen in Nabelschnurblut weitaus geringer als in Knochenmarkstammzellen. Bei erwachsenen Menschen ist nur mit einer ausreichenden Zellzahl eine Behandlung möglich. Stammzellentransplanteure empfehlen eine minimale Zelldosis kernhaltigen Zellen zwischen 10 und 30 Millionen pro Kilogramm Körpergewicht, wenn Spender und Empfänger nicht identisch sind. Wird diese empfohlene Zelldosis nicht erreicht, kann die gleichzeitige Transplantation von zwei Nabelschnurblutpräparaten eine Möglichkeit sein.
Wachsende Bedeutung von Nabelschnurblut bei Stammzelltransplantationen
Angesichts ihrer besseren Verträglichkeit gewinnt die Nabelschnurtransplantation auch bei Erwachsenen immer mehr an Bedeutung. So werden aktuell in Amerika bei etwa 20 Prozent aller Stammzelltransplantationen Nabelschnurblut verwendet. In Japan liegt diese Zahl bereits bei 50 Prozent.
Therapiemethode bei Hautverletzungen und Verbrennungen
Stammzellen aus Nabelschnurblut finden mittlerweile eine große Anzahl von Anwendungsgebieten. So werden sie gerne als einzig effektive Therapiemethode bei Hautverletzungen und Verbrennungen eingesetzt. Da die Anzahl der Menschen, die größere Flächen von Haut verlieren, in Deutschland von Jahr zu Jahr steigt, wird eine Nachfrage nach Stammzellen nie erschöpfen.
In absehbarer Zeit sollen Stammzellen außerdem dabei behilflich sein, auch Haut mit Schweißdrüsen, Pigmenten und Haaren zu kultivieren. Gelingt es dies zu erreichen, wäre ein revolutionärer Erfolg zu verzeichnen.
Diabetes
Auch schwere Formen von Diabetes, die mit Entzündungen an den Extremitäten einhergehen, können durch eine Zellbehandlung gelindert werden. Wissenschaftlern ist es bereits gelungen, mittels der Tissue Engineering (Gewebenachzüchtung) größere Flächen von Haut im Labor heranwachsen zulassen, die dann später den Patienten implantiert werden.
Herzkrankheiten, Herzinfarkt und Schlaganfälle
Auch auf dem Gebiet der Herzkrankheiten wurden in der Stammzellentherapie in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Durch die Wiederherstellung funktionsgestörter Zellen, Gewebe und Organe können mittlerweile unterschiedliche Erkrankungen geheilt werden. So wird im Labor gezüchtetes Gewebe aus Stammzellen genutzt, um mit Hilfe einer Stammzellentherapie die körpereigenen Reparatur- und Regenerationsprozesse anzuregen.
Im September 2007 wurde in der Universitätsklinik Düsseldorf ein beeindruckendes Ergebnis erzielt. Ein Patient mit schwerem Herzinfarkt konnte durch eine Behandlung mit körpereigenen Stammzellen vor dem Tod bewahrt werden. Außerdem wurden erste Erfolge durch das Leipziger Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) bezüglich einer Behandlung mit adulten Stammzellen bei Schlaganfällen erzielt.
Gelenkverletzungen, Verschleiß von Knorpelgewebe, Athrose und Knochen
Auch bei Gelenkverletzungen kommen Stammzellentherapien immer häufiger zum Einsatz. Dies liegt daran, dass besonders die Abnutzung und der Verschleiß von Knorpelgewebe, durch zum Beispiel Übergewicht oder Leistungssport, zu den weit verbreitetsten Krankheitsbildern gehören. So liegt die Zahl der Patienten, die sich einer ärztlichen Behandlung auf Grund von Gelenkerkrankungen unterziehen, allein in Deutschland bei 1,5 Millionen. Im Bereich der Arthrose wird bei einer Stammzellenbehandlung zunächst Knorpel im Labor nachgezüchtet. Im akuten Krankheitsfall kann dann auf eine Entnahme von gesundem Knorpelgewebe verzichtet werden. Aber auch bei der Stammzellenbehandlung von den Knochen besteht die Möglichkeit, bestimmte Gelenks- beziehungsweise Knochenwachstumsproteine anzusiedeln.
