Vorteile und Nachteile von Stammzellen aus Nabelschnurblut
Welche Vorteile beziehungsweise welche Nachteile haben die Stammzellen aus Nabelschnurblut gegenüber den Stammzellen aus dem Knochenmark?
Risikoarme Gewinnung, Verfügbarkeit und Gewebeverträglichkeit
Der größte Vorteil, den Stammzellen aus Nabelschnurblut bieten, ist die relativ risikoarme Gewinnung. Eine umständliche Operation ist nicht erforderlich. Ein weiterer nicht zu verkennender Vorteil ist eine geringe Ansteckungsgefahr mit Viren, wie zum Beispiel HIV oder Tumorzellen. Die Tatsache der ständigen Verfügbarkeit von Stammzellen aus Nabelschnurblut und die bessere Verträglichkeit der Empfänger, sind ein weiterer positiver Aspekt dieser Zellen. Da Nabelschnurblutstammzellen eine weniger ausgeprägte immunologische Reife besitzen wie andere Stammzellen, sind Abstoßungsreaktionen nach einer Transplantation weniger wahrscheinlich. Aus diesem Grund muss im Gegensatz zur Knochenmarkstammzellspende bei der Nabelschnurblutstammzellspende die Gewebeverträglichkeit nicht vollständig gegeben sein. Somit kann für fast alle Patienten eine passende Nabelschnurblutspende gefunden werden.
Bereitstellung, Vermehrungspotential, Differenzierungspotential und Regeneration von Körpergewebe
Bei einer Geburtenziffer mit rund 100 Millionen Geburten weltweit pro Jahr, können Nabelschnurblutspenden in großer Zahl zur Verfügung stehen. Allerdings stehen nur in den industrialisierten Ländern in modernen Kliniken die Technik und Infrastruktur zur Konservierung des Nabelschnurblutes bereit. Weiterhin ist die Bereitstellung im Bedarfsfall sehr viel einfacher zu bewältigen, als es bei einer üblichen Knochenmarkstransplantation der Fall ist. Ein hohes Vermehrungspotential und Differenzierungspotential sind ebenfalls als Vorteile zu nennen. Bereits nachgewiesen aber noch nicht am Menschen eingesetzt, wurde die Tatsache, daß Nabelschnurblutstammzellen sich nicht nur in Blutzellen, sondern auch zu Leber-, Blutgefäß-, Muskel-, Knorpel-, Knochen-, Nerven- und Inselzellen entwickeln können. In der Biotechnologie wird diese Eigenschaft bereits zur Regeneration von Körpergewebe genutzt.
Nachteile von Nabelschnurblutstammzellen
Ein Nachteil der Nabelschnurblutstammzellen gegenüber Knochenmarkstammzellen, liegt in ihrer begrenzten Menge. In einer Nabelschnurblutspende sind rund eine Milliarde kernhaltige Zellen enthalten. Für eine Transplantation wird eine minimale Zelldosis von 10 bis 30 Millionen pro Kilogramm Körpergewicht benötigt, um eine Heilung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erzielen. Aufgrund der Mindestzahl an kernhaltigen Zellen wurden die Nabelschnurblutzellen deshalb bevorzugt bei Kindern aufgrund ihres geringeren Körpergewichts eingesetzt. Eine Gewinnung nur bei der Geburt eines Kindes ist weiterhin als Nachteil zu benennen. Gendefekte, die zum Beispiel zu Leukämie oder Diabetes führen können, sind auch durch Nabelschnurblutstammzellen nicht völlig ausgeschlossen. Außerdem ist eine längere Aplasie der Blutbildung im Vergleich zu Knochmarkstammzellen beobachtet worden. Kritiker bemängeln des Weiteren die hohe Personalressource, die benötigt wird um sich um Spenden in den Geburtskliniken zu kümmern. Aus ärztlicher Sicht muss noch genannt werden, daß ein zu frühes Abklemmen der Nabelschnur zu einem Abfall der kindlichen Blutmenge führt.
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